Dienstag, 9. Januar 2018




JANUAR

alte Zöpfe und neuer Geist





Schon ein paar Tage alt ist 2018, fast tönen die Raketen und Böller noch nach und die Sektkorken, und trotzdem ist alles schon wieder mittendrin, wo auch immer das sein mag.

Der Jahreswechsel wird mit viel Getöse gefeiert und ich frage mich je länger je mehr, wozu das Ganze gut sein soll. Ein künstlich erzeugter Übergang von einer Zahl zur anderen, um die Maschinerie um den Konsum ja nicht zum Stillstand kommen zu lassen.




Ich glaube nicht, dass Silvester und Neujahr einem natürlichen  Rhythmus folgen, denn wer oder was in der Natur kommt auf die Idee, eine Einteilung zu kreieren, wo alle vier Jahre ein Tag nachjustiert werden muss und ich weiß nicht in welchem Abstand, eine Sekunde hinzugefügt wird, damit alles wieder stimmt.

Der Mensch glaubt immer, dass es reicht, an den Stellschrauben, die nicht einmal die richtigen sind, zu drehen und es passt wieder. Wie absurd.




So lasse ich auch die ganzen Aufforderungen, sich Ziele zu setzen, das kommende Jahr zu planen, die leeren Seiten zu füllen und Vorsätze zu fassen, mittlerweile einfach links liegen und folge 
 meiner eigenen Spur, die sich richtiger anfühlt, als alles, was von außen an mich heranrollt.




Ich frage mich ernsthaft, was denn tatsächlich neu werden kann, wenn ich mit meinen alten Schuhen und mit der staubigen Kleidung der Vergangenheit in ein neues Jahr schreite. Das kann doch gar nicht funktionieren. Und so wird jedes Jahr eigentlich wieder zu einem Abbild des letzten Jahres und so fort, außer das Leben zwingt von Außen zur notwendigen Veränderung, die dann nicht besonders bequem ist.




Und eigentlich - ist denn nicht jeder kommende Tag unbeschrieben und neu? Wie wäre es, am Abend schlafen zu gehen, ohne irgendeine Vorstellung, was das Morgen bringt, ohne die Konzepte, wie es zu sein hat und ohne alte Verhaltensweisen. Einfach aufzustehen und die Welt zu betrachten, als sähe man sie das erste Mal. Kinder können das noch, solange sie nicht verzogen und verbogen und erzogen sind.




Wow das wäre mal ein Experiment, dachte ich mir, und habe mir das neue Buch von Dr. Joe Dispenza "werde übernatürlich" besorgt, um solche Wege zu beschreiten, um zu üben, um bewusster zu werden. Und ein bisschen Anleitung und etwas Wissenschaft kann ja nicht schaden.

Selbst die Natur dachte sich, "ich stell mal die Welt auf den Kopf" und hat das schönste Morgenrot in den !WESTEN! gezaubert. Wenn das keine Resonanz ist.




So bin ich am 2. Jänner gleich ungewohnte Wege gegangen, war am See im Sturm, habe die erste Nasenspülung meines Lebens gemacht, die bis jetzt immer total ekelig für mich war, habe neue Rezepte gekocht, halte meine Zahnbürste in der linken Hand statt in der rechten, mache Dehnübungen, die ich vorher nicht kannte und vieles mehr. Ich schlendere durch die Tage und bin einfach nur aufmerksam, was hinter der nächsten Wegbiegung wartet.

Weil es aber nicht reicht, nur alte Gewohnheiten abzulegen und neue Dinge zu tun, werde ich Tag für Tag mehr zu einer aufmerksamen Beobachterin meiner Gedanken und ertappe mich fast permanent dabei, in den alten Bahnen unterwegs zu sein.




Ich kann euch sagen, das ist die echte Herausforderung. Aber es ist mir zutiefst bewusst, dass die wahre Veränderung im Kopf beginnt und nirgendwo sonst. Neue Dinge tun kann helfen, aber gegen die Spuren im Gehirn hilft nur Disziplin und am besten, den Beobachterposten nicht mehr zu verlassen.




2017 hatte ich das Jahr unter mein Motto "Widerstandslosigkeit" gesetzt und es ist mir sehr gut bekommen. Vielen Dinge, die mich vorher gestresst hatten, bin ich einfach begegnet, ohne Widerstand entgegen zu setzen. Und vieles hat sich dadurch entweder entspannt oder gar in Luft aufgelöst und wenn es geblieben ist, konnte ich damit besser umgehen.




Ich habe mich leiten lassen, wie das Motto für 2018 heißen könnte und siehe da, es hat sich mühelos gezeigt.




NEUFUNDLAND

Hach, ich bin richtig glücklich und zufrieden über meine Entscheidung, Neufundland entdecken zu wollen, und dafür nicht mal ins Flugzeug steigen zu müssen.

Jeder Tag ist neu, wenn ich ihn so erleben mag.

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JANUAR

 was für ein Donnerwort - als ob Odin selbst es ins Universum ruft. Archaisch und mächtig schickt der Himmel dazu Rufezeichen!




So ist Januar auch bei uns eingezogen, mit viel Sturmgetöse und Föhn, selbst Vogelgezwitscher ist dabei. Da frage ich mich, ob selbst der Januar neu werden will oder ob er uns nur einen Spiegel vorhält, wo die ganze Welt hinrennt und immer davon rennt vor dem, was gerade im Jetzt ist.

Dabei habe ich mich mit seiner Stille, seiner Tiefe und seinem weißen Nichts die letzten Jahre sehr angefreundet. Aber ich muss ihm ja nicht ins Frühlingsgefühl folgen, ich bleibe da, wo er mich erreicht. Frühling kommt erst und bis dahin mag ich leer sein.
Und ich mag es dunkel, weil ich dort die Keime ahnen kann und ich mag es, wenn die Augen nicht abgelenkt sind vom vielen Bunt. 




Da entdecke ich Spuren, die ich sonst nicht sehen würde und jeder Tag wird ein wenig mehr zum Neufundland.




Für 2018 wünsche ich mir nun einfach, die Vogelperspektive immer öfters einnehmen zu können und mich mehr und mehr frei zu fühlen, frei im Geist, frei im Körper und frei in meinem Tun.















Kommentare:

  1. Also, Du hast es schon wieder getan, Veronika. Das mit der eigenen Spur, der Du folgen willst, dass sich das viel besser, ja, dass es sich richtig und gut anfühlt... Die eigene SPUR! Nicht Weg, sondern Spur! Ja, genau, als sei es durch das Wesen, das wir sind, oder das in uns ist und mit uns, bereits DA.
    Und ich GLAUB´s ja nicht, das mit dem alles ein wenig anders machen, dem Ausprobieren und dem KOCHEN, genau das mache ich gerade auch. Vor allem dem Kochen,
    was für verrückte Sachen ich zur Zeit mache - und habe dabei neben einigen "naja- geht-so" doch zwei Hammerrezepte erfunden. Überhaupt erfinden, das sprudelt ja bald, das kann ich schon fühlen.
    Neu angucken, als habe man glatt Amnesie und guckt sich und alles das erste Mal an. Schwer, wenn man dann nicht mehr so ganz... höm... taufrisch ist (gemein das... ;),
    aber vielleicht zahlt man damit ja, dass man innerlich weiterkommt.
    Und dann schreibst Du, "das ist die echte Herausforderung. Aber es ist mir zutiefst bewusst, dass die wahre Veränderung im Kopf beginnt und nirgendwo sonst. Neue Dinge tun kann helfen, aber gegen die Spuren im Gehirn hilft nur Disziplin und am besten, den Beobachterposten nicht mehr zu verlassen." Und in mir ist ein großes JA, bzw. denke ich auch öfters albern, also sagt es in mir YESSSSS ;))
    Was Du mit dem Widerstand, bzw. keinem Widerstand mehr beschreibst, das ist mein Motto für 2018. Mal gucken, was kommt.
    Söterlein, das war mein Kommi für den einen Part, Deine Bilder (Die Spur, der Nebel und das mit dem Baum vor allem) haben mich erreicht - nun gucke ich mir "Neufundland" an und bin schwer gespannt.
    Bis gleich :)

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    1. Ich liebe Deine Differenzierungen, jawohl das ist ein Unterschied, ob ich einen Weg gehe oder der Spur folge. Wege können es viele sein, aber die Spur ist ganz meins. Uiiii das gefällt mir sehr sehr gut.

      Also ich sag Dir was, mit dem Jungsein und so. Ich erlebe so viele junge Menschen, die eingefahrener in ihrem Denken sind als so manche Großmutter, von uns rede ich ja gar nicht. Ich meine nicht, dass es mit dem Alter zu tun hat. Wir haben ein Mehr an Erfahrungen und Erlebnissen, aber den Jungen wird ja alles mittlerweile vorgesetzt. Ein unüberschaubarer Bauchladen, aus dem sie alles auswählen können, was ihnen gefällt. Da muss man nix mehr erfinden und neue Wege gehen. Wobei - es wird vermutlich mehr als nur notwendig sein, in Zukunft wieder neue Wege zu gehen. Das System jetzt fährt ja sehenden Auges gegen die Wand.

      Viel Freude mit Deiner Widerstandslosigkeit, es fühlt sich frei und unbeschwert an, denn schlussendlich sind es immer wieder unsere Bewertungen, die ihre Stacheln auffahren, wenn etwas nicht so läuft, wie man sich das vorstellt. Allein die Worte sagen doch schon alles.

      Ich freue mich über Deine "Yesssses".

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  2. Neufundland - archaisch, meist unberührt, noch roh und... unverdorben? Ja, jungfräulich, weil die wilde Witterung nur echtes Leben zuließ. Januar und Neufundland. Neu gegründet in uns? Zivilisatorisch relativ unverseucht - ehrlich, ohne eventuellen Floridaschnickschnack, das geht dort nicht :)) Gott sei Dank nicht.
    Und dann wieder "ich muss ihm ja nicht ins Frühlingsgefühl folgen, ich bleibe da, wo er mich erreicht. Frühling kommt erst und bis dahin mag ich leer sein."
    Weißt Du, Veronika, das tut soooooooooooo gut, bei Dir zu lesen, und ich glaube, ein Stück weit verstehe ich Dein Neufundland - ich mache das übrigens ja auch immer fest an einem Ort,Provence, ne?, aber die passt für den Januar gar nicht. Ja, Neufundland. DAS passt.
    So sei mir herzlichst gedrückt, das alles lasse ich jetzt erst mal sacken, meine Güte, war das herrlich, Deine Méa

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    1. Ich weiß schon, warum es mich immer in den Norden zieht. In den letzten Tagen haben wir uns immer wieder Dokus über die Faröer, die Lofoten, Island angesehen und jedesmal innerlich gezählt, wann es denn für uns möglich wird, dahin zu kommen.

      Und nein, es ist nicht wegen der Kälte, die ich eigentlich nicht mag. Aber ich liebe das rohe und unberührte und unverdorbene und jungfräuliche - Deine Worte!!!

      Vor vielen vielen Jahren war ich in Alaska und anschließend in Hawai. Selbst mit Mitte zwanzig hat mich Alaska viel mehr gepackt als die Tropen. Heute weiß ich viel mehr warum. Weil ich jeglichen Floridaschnickschnack (hihihihih saugut) meiden will.

      Aber die Provence hat meinem Gefühl nach auch noch ganz viel ursprüngliches. Da möchte ich gerne auch mal hin. Eigentlich überall da hin, wo es echt ist.

      Wie schön, dass Du gerne bei mir liest. Irgendwie sind wir schon ein offenes Buch, gell, aber das ist auch in Ordnung so.

      Ich drück Dich auch und schicke archaische januarische neue Grüße
      Deine Veronika

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  3. Neufundland – welch' geniales Motto ist dir da zugeflogen, liebe Veronika.
    Deine Gedanken zu lesen, entspannt mich immer ungemein, deine Fotos tun ihr Übriges dazu. Du wohnst in einer besonders schönen Landschaft.
    Der eigenen Spur folgen, dem eigenen Spürsinn trauen, das gefällt auch mir ganz ungemein, unbewusst tue ich das bereits, ich wünschte mir noch mehr Gelassenheit darin/dabei.
    Herzliche Grüße
    Petra

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    1. Liebe Petra,

      ich freue mich riesig, wenn Du Dich bei mir entspannen kannst, ist auch so was wie ein Geschenk an mich.

      Ja ich wohne sehr sehr schön, etwas über dem Tal, mit Weitblick in die Schweiz, den See quasi vor der Haustüre. Das hat schon was und ich bin auch sehr dankbar dafür.

      Das ist doch ein lebenslanger Weg, die eigenen Spuren zu finden, zuviel Schutt liegt darüber durch die Vergangenheit. Aber es lohnt sich und es lohnt sich auch, geduldig dabei zu sein. Und glaube mir, das hat seeeeeehhhhr lange bei mir gedauert, bis ich die Geduld gelernt habe.

      Herzensgrüße
      Veronika

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  4. Liebe Veronika,
    danke für deine wunderschönen Gedanken, die mich zum Nachdenken anregen. Die Bilder passen so gut dazu!
    Alles Liebe, Sandra

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    1. Danke liebe Sandra für Deinen Kommi bei mir. Ich freue mich, wenn es Dir gefällt und ich Nachdenkanstöße geben kann.

      Liebe Grüße
      Veronika

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  5. Liebe Veronika,
    Deine Worte gehen auf direktestem Weg in meine Seele; ich kann sehr genau nachvollziehen, wie es dir mit dem Start in ein neues Jahr und allem, was gemeinhin "so dranhängt", ergeht! Ich nehme das sehr ähnlich wahr; und wie du brauche ich jetzt ganz bestimmt noch keinen Frühling! Meine eigene Erfahrung hat mir gezeigt, dass man wirklich erst ein gutes Stück Leben hinter sich gebracht haben muss, um zu erkennen, dass in allem Wertvolles verborgen ist. Auch in dem, das auf den ersten Blick unwirtlich, kalt und garstig daherkommt! ;oD Was du oben schreibst: "Und glaube mir, das hat seeeeeehhhhr lange bei mir gedauert, bis ich die Geduld gelernt habe" - ja, das ist ein langer Prozess, den ich ebenso durchgemacht habe. Was war ich früher immer ungeduldig mit mir und meinem Leben! Alles sollte immer sofort- warten? Fremdwort! Inzwischen kann ich unglaublich gut warten, im Gegenteil: Das Warten verändert den Blickwinkel auf das, was man da so er-wartet, und verändert ganz plötzlich auch seine Bedeutung. Zumindest ist es mir oft so ergangen.
    Das mit dem "eigene Spur verfolgen" ist ein sehr schöner Gedanke! Denn wenn man seine eigene Fährte aufgenommen hat, erst dann kann man sich befreien von den Ansprüchen und Vorstellungen anderer, die ein Dasein viel zu oft prägen. Die einen schaffen es, die andern (leider) ein Leben lang nicht. Aber erst wenn man sich davon gelöst hat kann man Neu(fund)land betreten! ;oD
    Ausserdem: Die Sache mit der Widerstandslosigkeit....hhhmmmmm....die nehme ich mit. Da muss ich noch ein paar Gedanken drübergehen lassen! ;oD
    Ganz herzliche Grüsse!
    PS: Die Bilder sind grandios! Diese knorrigen Bäume.....hach.......

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    1. Liebe Frau Hummel,

      ich freu mich wie ein Kullerkeks - würde Méa sagen - über Deinen Besuch und Deinen Kommi bei mir.

      Bäääämmmm - direktester Weg ins Innere, das ist ja wundervoll. Da hast Du so was von Recht mit dem Alter und so. Ich hätte mir das nicht vorstellen können, mal so entspannt zu werden und großzügig mit allen Zeiten, ob gut oder schlecht. Wobei das ja auch nur eine subjektive Wertung ist, was denn gut und schlecht ist.

      Und das mit der Geduld: kennst Du die Geschichte von den Inuits, die erst ein Wort für "Wespe" kreieren mussten, weil es bis vor einigen Jahren überhaupt keine Wespen in ihrer Welt gab und sie keinen Begriff dafür hatten. So ging es mir mit dem Wort Geduld, war nicht existent in meiner Welt. Aber ich habe lernen dürfen, müssen, wie auch immer und mittlerweile ist sie mir eine große Freundin geworden.

      Widerstandslosigkeit - ja da gibt es noch viele Fährten dazu. Eine habe ich mir zu eigen gemacht, nicht gegen alles, was sich mir zeigt, zu kämpfen, sondern anzunehmen und geduldig!!!! zu sein und stetig mich in mir zu verändern, damit es sich auch im Außen verändern kann. Doch zu erkennen, wo Widerstand sinnvoll ist, gehört auch dazu. Von daher eine ambivalente Geschichte.

      Danke für Dein Fotokompliment. Ich bin wieder vermehrt mit dem Handy unterwegs, weil ich so viel spontaner sein kann.

      Herzliche Grüße in die Schweiz
      Veronika

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